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Toni baut den Kaos

Bei uns im Verein wurde so um die 1980 der Kaos öfters gebaut und geflogen. Nun wollte ich das Modell wieder aufleben lassen und die Retroszene bereichern. Zuvor hatte ich ja schon den legendären Blue Angel 60 gebaut und geflogen gehabt. Das nachfolgende Bild stammt von einem Besuch in der Partnerstadt istres.

In einem alten Fotoalbum hatte ich noch ein Bild gefunden, wo der alte Kaos von meinem Vater zu sehen war. Ich glaube, das war wohl 1981. Hier waren wir von unserer Partnerstadt Istres (Südfrankreich, Provence) vom dortigen Modellflugclub zu einem Besuch eingeladen worden. Das war ein großes Trara mit Presse und Rundfunk. Mein Vater und ich konnten mit unserer Flugvorführung mit eben diesem Kaos und meiner Curare 60 den ersten Platz für die beste Flugvorführung erreichen. Als Preise gab es damals Fertigrümpfe verschiedener Art (Motormodell, Segler). Auf dem Bild noch zu sehen von links nach rechts: Jürgen, Horst, Toni, Herr Grobecker und unten Gerhard.

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Der Kaos 60 ist eine Konstruktion des Amerikaners Joe Bridi. Veröffentlicht wurde das Modell im Februar 1970. Die Konstruktion ist mittlerweile über 50 Jahre alt. WOW!!!

Der Kaos ist eines der bekanntesten Kunstflugzeuge, das jemals entworfen wurde. Es wurde in vielen Wettbewerben eingesetzt. Joe Bridi war jahrelang Teilnehmer des legendären TOC Las Vegas (Tournament of Champions), in der die weltbesten Kunstflugpiloten eingeladen wurden. 

Technische  Daten
Name: Kaos 60
Entwickler: Joe Bridi, USA
Spannweite: 59 inch (150 cm)
Länge; 55,5 inch (141 cm)
Flächeninhalt: 647 sq. inch  (41,7 dm²)
Gewicht:  ~ 3 Kg
Motor: Super Tigre G60 Blue Head mit Resonanzrohr
Propeller: APC 11x7
Die Wurzelrippe hat eine Dicke von 19%, die Endrippe ist 17% dick.  

 

Den Plan kann man mittlerweile aus dem Internet (Outerzone, Aerofred) ziehen.Es gibt sogar Pläne, die CAD-fähig sind. So kam es, dass der Vereinskollege Achim mir einen Rippensatz, in dem Fall gelasert, hergestellt hatte. Damit war einiges an Arbeit gespart. Auch konnte er mir den Plan, ausgedruckt mit seinem A0-Plotter, zur Verfügung stellen. Vielen Dank an dieser Stelle.

15.01.2021 - Nachdem ich mir das nötige Kleinholz besorgt hatte, konnte ich mit dem Bau beginnen. Meine zwei größten Helfer waren hierbei ein kleiner Tellerschleifer (125 mm) und meine Proxxon Tischkreissäge, mit der man hervorragend nicht verfügbare Leisten zusägen kann.

Als Einstieg hatte ich mit dem Höhenruder begonnen. Der Plan wurde mit Folie abgedeckt und die Leisten konnten gemäß Plan gefertigt und verklebt werden.Das Grundgerüst als Gitterkonstruktion war schnell erledigt, noch Unter- und Oberseite mit 1,5 mm Balsa beplanken, fertig zum Verschleifen.

Im Weiteren wurden die  Rumpfspanten hergestellt. Der Rumpf wird auf dem Rücken aufgebaut, Nach dem Verleimen der Spanten konnten die Seitenteile angebracht werden. Im Bereich des Flügels wird mit 1 mm Sperrholz aufgedoppelt. Der Rumpfboden bleibt noch geöffnet, bis die Servos und die Bowdenzüge verbaut sind. Der Einbau vom Motorträger, in meinem Fall aus Buchenholz gefertigt, brachte etwas mehr Arbeit mit sich, da es einiges zu messen gab. Der Seitenzug und Motorsturz von jeweils 3 Grad sind hier mit zu berücksichtigen. Im Motorträger wurden gleich die Gewinde für die Motorbefestigung geschnitten und der vorgesehene Motor, ebenfalls ein Oldtimer (Super Tigre G60 Blue Head), durfte mal  probesitzen.

Die 2 Höhenruder wurden ausgeschnitten und gemäß Plan profiliert. Auch wurden die Teile zur Erstellung des Seitenruders gefertigt.

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Jetzt rückte der Flügel in den Fokus. Ich entschied mich zur Erstellung eines sogenannten Wing Jig, eine Hilfsvorrichtung zum Bau eines Flügels (Helling). Die Rippen wurden auf Carbonpfeile aufgefädelt und in entsprechenden Abständen mit Hilfe einer Schablone ausgerichtet. Diese Konstruktion wird auf der Helling fixiert und als erstes der aus Kiefernholz bestehende Hauptholm verleimt. Im Nachgang wurde noch der Hilfsholm und die Fahrwerkshalterung in Form einer T-Nutleiste verbaut. Nachdem die 1. Flügelfälfte auf der Unterseite fertiggestellt wurde, konnte ich den Flügel drehen und auf der Oberseite die Holme verkleben.

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15.02.2021 - Nach dem Aufbau der Rohgerüste der 2 Flügelhälften konnte die Beplankung aufgezogen werden. Diese sind im Nasen- und Endleistenbereich auf Ober- und Unterseite angebracht. Zuvor wurde noch die Fahrwerksaufnahme für den 4 mm Fahrwerksdraht entsprechend verstärkt. Ein Füllklotz für die Bohrungen der Flügelbefestigung mittels 6 mm Nylonschraube wurde eingesetzt. Auch eine Verstärkung für die Flächendübel als Gegenlager wurde am Hauptholm verklebt. Ein Balsavollklotz als Abschluss  für die Randbögen an den Flügelenden sollten den Bau der Flügelhälften beenden.

Nun konnten die 2 Flügelhälften miteinander verklebt werden. Dazu wird der Flügel mit der Oberseite auf das Baubrett gelegt. Das heißt, auf der Oberseite hat der Flügel 0 Grad V-Form. Nach der Verklebung wurde im Mittelsegment mit etwas Übermaß der Rumpfbreite eine Glasfaserverstärkung aufgebracht. Für das Querruderservo wurde nach Aushärtung des Harzes im Flügel mittels kleiner Trennscheibe der entsprechende Ausschnitt herausgetrennt. Das Servo, hier eine Version Low Profile, fand in dem Ausschnitt seinen Platz. Auch wurden die Querruder noch hergestellt und die Scharnierschlitze im Flügel und den Querrudern gesetzt. Wie fast immer verwendete ich hier die guten Scharniere von Kavan.

Die Herstellung des Servobrettes ging flott von der Hand und dann folgte daraus resultierend der Einbau der Bowdenzugröhrchen. Da der Rumpfboden noch nicht verklebt wurde, war für den Einbau noch alles gut zugänglich. Ich entschied mich dazu, die Höhenruder getrennt anzulenken und nicht wie im Plan vorgesehen, die beiden Höhenruderhälften mit einer Kiefernleiste zu verbinden. In der Folge wurde das Flügelbefestigungsbrett im Rumpf verklebt. Auch das Bowdenzugröhrchen für die Motordrossel wurde verlegt.

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Ein alter Tank (400 ml Fassungsvermögen) von Graupner, aber noch original verpackt, fand nach Zusammenbau seinen Platz im Rumpfvorderteil.  Die Messingröhrchen bekamen an ihren Ende von mir noch eine "Lötperle" angebracht, damit der Silikonschlauch nicht vom Röhrchen rutscht. Der Tankdeckel wurde noch angefertigt und zur Befestigung setzte ich noch 2 Buchendübel im Deckel ein, um die Inbusschrauben aufzunehmen.

Der provisorisch eingesetzte Motor  für die Installation des Bowdenzuges hat durch den verbauten Motorträger einen Seitenzug und einen Sturz von jeweils 3 Grad. So ist es im Plan vorgesehen gewesen. 

Das Höhenruder wurde final geschliffen und das Bügeln konnte beginnen. Hier wurden vorher noch die Scharniere gesetzt. Für die Unterseite wählte ich hier ein blau-weißes Karomuster, auf der Oberseite ein enzianblau. Das Seitenruder gestaltete ich in der Farbe rot, passend zum zukünftig verwendeten roten Spinner.

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In der Zwischenzeit hatte ich mir einen neuen Motorteststand gebaut, um den hier verwendeten Motor einzustellen, in dem Fall ein Super Tigre G60 Blue Head, auch ein echter Oldtimer. 

Vorschau:

- Flügel + Rumpf bügeln

- Vermessen + Verkleben des Höhen- und Seitenruders am Rumpf

- Montage Fahrwerk

- Anlenkungen fertigstellen

- Montage Motor inkl. Resonanzrohr

Bis die Tage, Toni

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